Zielstrebigkeit

Hat man ein Ziel vor Augen, unabhängig von der objektiven Wichtigkeit des Themas, richtet man über kurz oder lang alle Aufmerksamkeit auf dieses Ziel. Fokussiert man sein Denken, Handeln und Fühlen auf die Erreichung dieses Ziels auch auf längere Sicht, ist man per Definition zielstrebig. Doch wozu braucht man das? Ist Spontanität nicht viel entspannter, als dieser stetige Druck im Hinterkopf etwas erreichen zu müssen?

Hier gilt, wie so oft, der goldene Mittelweg. Zielstrebigkeit sollte mit Offenheit und ohne Scheuklappen einhergehen. Schaut man weder nach links noch nach rechts auf dem Weg zum Ziel, übersieht man wichtige Dinge; übersieht auch oft wichtige Menschen. Zu hohe Verbissenheit führt dazu, das man seinem Ziel nicht näher kommt, weil man vielleicht Menschen vor den Kopf stößt die einem bei der Erreichung des Ziels eine große Hilfe gewesen wären. Sagt man sich hingegen selbst: „Wozu ein Ziel? Ich schaue einfach was passiert,“ führt das meist dazu, das man ebenso wenig erreicht.

Ein Beispiel aus dem Leben: Ein Pärchen möchte gemeinsam in den Urlaub fahren. Jeder hat das Ziel vor Augen, mit dem Anderen ein tolles Urlaubserlebnis zu haben. Die Planung erfordert, mit dem jeweils Anderen zusammen zu arbeiten und vor allem, nicht nur auf die eigenen Wünsche zu achten. Das übergeordnete Ziel sollte nicht sein, unbedingt den eigenen Willen durchzusetzen und beispielsweise auf den Wanderurlaub zu beharren. Hier bedeutet Zielstrebigkeit in ihrem positivsten Sinn, ein übergeordnetes Ziel mit Rücksicht auf bestehende Umstände zu erreichen. Wichtig ist hierbei, welches Ziel setzt man sich?

Weiterer Eckpunkt positiver Zielstrebigkeit ist die Überwindung von vorherrschenden Ängsten. Ein weiteres Beispiel: Auf einer Sightseeing Tour in der Natur ist das Ziel ein toller Aussichtspunkt am Gipfel eines Berges. Was vorher nicht bekannt war, der Aussichtspunkt lässt sich nur durch Überquerung einer Brücke über einer Schlucht erreichen. Man selbst hat jedoch Angst vor großen Höhen. Lässt man es dann lieber direkt bleiben und beginnt den Rückweg, oder behält man das Ziel im Blick,  das der Aussichtspunkt in erreichbarer Nähe liegt?

Dabei heißt Zielgerichtet zu handeln nicht, ohne Rücksicht auf Verluste zu handeln. Ist man also selbst nicht in der Situation an Höhenangst zu leiden, sondern ein anderer Wanderteilnehmer und dieser möchte partout nicht über die Brücke, ist das Übergeordnete Ziel nicht mehr die unbedingte Erreichung der Plattform, sondern einen Kompromiss zu finden der für alle Beteiligten zielführend ist.  Man lernt dabei Ängste und Einschränkungen zu überwinden und trotzdem aufmerksam zu sein, für das was einen umgibt.